St. Etienne

Die Insel St. Etienne ist eine im Orceanik gelegene Kolonie des Königreiches beider Archipele mit rund 130'000 Einwohnern. Das Klima ist tropisch, aber durch die Insellage leicht abgemildert. Aufgrund der Abgeschiedenheit St. Etiennes leben auf der Insel zahlreiche nur hier vorkommende Tier- und Pflanzenarten wie der Blauschwanz-Diademlori oder der bronesische Wasserbüffel.

 

 

Geschichte

1751 entdeckte Kapitän de Pausat St. Etienne und nahm es für seinen König in Besitz. Eine nennenswerte Besiedlung erfolgte jedoch zunächst nicht. Das 1752 gegründete Dorf Port au Prince blieb ein kleiner Stützpunkt.

Im 18. Jahrhundert wurde St. Etienne in den Melbischen Erbfolgekrieg beziehungsweise den Zweite Koalitionskrieg hineingezogen, der von  1762 - 64 dauerte. 1762 wurde St. Etienne von merolischen Truppen besetzt. Gouverneur Andé Chevreux übergab die Kolonie friedlich, als vier merolische Fregatten vor dem Hafen von Port au Prince auftauchten. Nach dem Sieg Admiral Fournys bei Kap Audret erlangte Livornien die Seeherrschaft und konnte im der Folge St. Etienne befreien. Der fünfte Vertrag von Orly bestätigte 1764 Livornien den Besitz St. Etiennes. Ein Denkmal zu Ehren Admiral Fournys gegenüber dem Gouverneurspalast erinnert heute an den Krieg, in dem auf der Insel kein einziger Schuss gefallen ist.

  

Bevölkerung

Die Bevölkerung St. Etiennes setzt sich zu 80 % aus Nachfahren livornischer Siedler und archipelischen Untertanen, zu 12 % aus indigenen Bevölkerungsgruppen, zu 4 % aus Einwanderern aus Chinopien, zu 3 % aus Auroranern und zu einem Prozent aus Menschen unterschiedlicher anticäischer Herkunft zusammen.

 

 

Religion

 

Die Bewohner der Insel gehören zu 70 % protestantischen Konfessionen, zu 20 % der katholischen Kirche und zu 10 % übrigen Gemeinschaften oder keiner Religion an. Der animistisch geprägte Glaube der Einheimischen ist durch westliche Missionstätigkeit stark zurückgegangen, jedoch im Brauchtum noch bei vielen Angehörigen anderer Religionen zu finden. Die größte Religionsgemeinschaft ist die Livornisch-Lutherische Kirche, deren vier Pfarreien den Status eines Subdekanates der Diözese Altburg haben. Die größte Kirche der Insel ist St. Andreas Port au Prince, die 1835 im neugotischen Stil erbaut wurde. Die Glasfenster wurden von Paul-André Beaurivage Mollinac gestaltet und zeigen die Kindheit Jesu sowie Szenen aus der Johannesapokalypse.

 

 

Wirtschaft

 

Hauptexportgüter sind Südfrüchte, Palmöl, Kautschuk und Aligora, ein aus Zuckermelasse gebrannter Schnaps. Die Königliche Marine unterhält eine kleine Außenstation auf dem Eiland, die einige Arbeitsplätze schafft, während der Löwenanteil auf den Tourismus und die Finanzbranche zurückzuführen ist. Tiefe Steuern und geringe bürokratische Vorgaben machen St. Etienne zu einem beliebten Standort für Unternehmen, Briefkastenfirmen und Banken. Liberale Glücksspielgesetze ziehen Kunden aus aller Welt an. Das größte Casino der Insel ist das Grand Casino Bailet im gleichnamigen Hotel, das als einziges Haus der Kolonie noch Roulettkugeln aus Elfenbein verwendet. Zwischen St. Etienne und dem Mutterland besteht keine Zollgrenze, weshalb der Warenverkehr durch Schiffe und Flugzeuge,  die zwischen dem KBA und St. Etienne ohne Zwischenhalt verkehren, keinen Einschränkungen unterliegt. Der Königliche Zoll führt regelmäßige Kontrollen von Importen aus Drittländern durch und erhebt die anfallenden Einfuhrzölle. Als Währung dient der florin orcéanique (fl. or.), der an den Gulden beider Archipele (fl. ar.) gekoppelt ist. Ein Gulden beider Archipele notiert bei 100 Orceanischen Gulden. Hergestellt werden die Geldwertzeichen des florin orcéanique von der Zentralbank in Altburg.

 

 

Politik

 

St. Etienne hat den Status einer Kolonie des Königreiches beider Archipele und verwaltet sich innenpolitisch weitgehend selbständig. Das Mutterland ist für Verteidigung und Außenpolitik zuständig. Staatsoberhaupt St. Etiennes ist der König beider Archipele, derzeit König Philipp V, vertreten durch einen Gouverneur en titre, der meist aus den Reihen der Königsfamilie stammt. Ihn vertritt der ortsansässige Gouverneur en replacant. Beide Gouverneure werden durch die Krone auf Vorschlag der Altburger Regierung ernannt. Zum Gouverneur e. r. wird gewohnheitsrechtlich derjenige vorgeschlagen, den der Generalrat durch die absolute Mehrheit der Stimmen zuvor nominiert hat. Als Repräsentant der Krone in der Kolonie ernennt der Gouverneur die lokale Selbstverwaltungsregierung und ist für alle Belange zuständig, die in den Kompetenzbereich des Mutterlandes fallen. Ihm unterstehen alle Behörden, die nicht zur Kolonialverwaltung gehören, insbesondere die vor Ort befindlichen Teile der Königlichen Streiträfte, die Gendarmerie, der Zoll und aus Altburg entsandte Kommissare des Außen- und Finanzministeriums.

 

Die Legislative von St. Etienne besteht aus zwei Kammern. Der Conseil privé de St. Etienne setzt sich aus dem Gouverneur e. t., dem Staatssekretär für koloniale Angelegenheiten in Altburg, dem Constabler von St. Etienne und zwei durch die Krone auf Vorschlag des Gouverneurs e. r. ernannten Geheimräten zusammen und verfügt über die Möglichkeit eines aufschiebenden Vetos und das Recht, Gesetze dem Geheimrat des Königs zur Prüfung vorzulegen. Der Conseil général besteht aus 15 für vier Jahre gewählten Abgeordneten. Der Conseil wählt aus seiner Mitte die Regierung der Kolonie, die durch den Gouverneur ernannt wird.

 

Die Regierung St. Etiennes, das Gouvernement de St. Etienne, setzt sich aus dem Président du Gouvernement und vier Ministern zusammen, die sich die fünf Ressorts Finanzen, Schiffahrt und Fischfang, Gesundheit und Verkehr, Bildung sowie Sicherheit und Justiz teilen. Die Regierung tagt im Maison du Gouvernement unter dem Vorsitz des Regierungspräsidenten und in Anwesenheit des Gouverneurs.

 

Die Kolonie besitzt eine eigene Staatsangehörigkeit und vergibt im Namen des Gouverneurs eigene Reisepässe. Archipelisch-St. Etiennitische Untertanen geniessen zahlreiche Rechte im Mutterland, wie Reisefreiheit, erleichterte Niederlassungsrechte und zollfreier Warenumschlag. Inhaber der Untertanschaft von St. Etienne sind im Gegensatz zu Untertanen des Mutterlandes in der Kolonie, aber nicht in Antica wahlberechtigt. St. Etienne wählt ein eigenes Parlament, entsendet aber keine Abgeordneten nach Altburg.

 

 

Traditionelle Könige

 

Die indigene Zivilisation St. Etiennes wurde vor der Kolonialisierung von vier Königreichen beherrscht, den Königen von Uvoa, Alvea, Silgavi und Bao. Diese bis ins 18. Jahrhundert oft mit "Häuptling" übersetzten Herrscher standen an der Spitze der aristokratischen Hierarchie der vorkolonialen Gesellschaftsordnung. Ihre Herrschaft wurde durch die livornischen Autoritäten formell anerkannt, worauf mit ihnen Schutzverträge geschlossen wurden. Die indigenen Königswürden existieren bis heute fort, wobei die Könige seit 1823 die Oberhoheit der livornischen Krone offiziell anerkennen. Staatsrechtlich werden sie als Vasallen der livornischen Krone gesehen. Als Vertreter des livornischen Monarchen steht der Gouverneur formal über den Königen, denen im diplomatischen und politischen Alltag stets großer Respekt entgegengebracht wird. Die traditionellen Könige (amtssprachlich roi cuotumier genannt) sind de iure bis heute Inhaber ihrer Regierungsgewalt. Ihre Rechte werden geachtet und in der Verfassung von St. Etienne aufgezählt. Gegenwärtig existiert mit dem König von Bao nur ein amtierender König. Die Königsfamilie von Uvoa ist in männlicher Linie ausgestorben, der Thron von Alvea wird durch den König von Bao in Personalunion besetzt und das Königtum von Silgavi ist aufgrund umstrittener Erbansprüche unbesetzt.

 

 

Verteidigung

 

Für die Verteidigung St. Etiennes ist das archipelische Mutterland zuständig, wobei einheimische Wehrpflichtige zur Unterstützungeine eine örtliche Miliz bilden. Die Königliche Luftwaffe und die Königliche Marine haben Einheiten auf der Insel stationiert und sind für den Verteidigungsfall beauftragt, die Hoheitsgewässer und Küsten der Insel zu verteidigen. Im Konfliktfall dienen zudem auch die Beamten der Königlichen Gendarmerie als leichte Infanterie der Verteidigung der Insel.

 

Seit der schrittweisen Umsetzung des Marineweißbuches Opera 2000 erfährt St. Etienne keinen ständigen Schutz durch Seefahrzeuge der Marine mehr und wird nur noch in unregelmäßigen Abständen von einer Fregatte des westastorischen Patroulliengeschwaders angefahren. Durch Minen und drei Torpedobunker an strategischen Stellen versucht die Marine, ohne großen Personalaufwand eine ausreichende Küstenverteidigung sicherzustellen.

 

In der Raumaufteilung der Luftwaffe bildet die Kolonie aufgrund der Abgelegenheit und geringen Größe der Insel keinen eigenen Lutfverteidigungsbezirk, sondern ist mit den Truppen des CCDO zum Lutfverteidigungsbezirk Nerica-St. Etienne zusammengefasst. Im Militärsektor des Flughafens Port au Prince sind eine Staffel mit vier F 95-X Abfangjägern und ein C 02 Transporthubschrauber stationiert. Luftabwehrraketensysteme und Radaranlagen dienen dem Schutz des Luftraums von St. Etienne.

 

St. Etienne verfügt über eine eigene Miliz, die Force de défence de St. Etienne (FDS). Die FDS besteht aus einem Regiment mechanisierter Infanterie in Bataillonsstärke, dem bei Bedarf durch die Einberufung von Reservisten weitere Bataillone unterstellt werden können. Der jeweilige Gouverneur en titre der Kolonie fungiert als Inhaber und Ehrenoberst des Regimentes, während die Stellung des Kommandeurs einem einheimischen Berufsoffizier mit Ausbildung im Königlichen Heer gegeben wird.

 

Auf St. Etienne besteht theoretisch eine Wehrpflicht für Männer zwischen 19 und 45 Jahren. Die Bestände der FDS rekrutieren sich aus einheimischen Wehrpflichtigen, die in einer sechsmonatigen Dienstzeit ausgebildet werden und anschließend bis zum 45. Lebensjahr als Reservisten für den Ernstfall bereitstehen. Wer aus gesundheitlichen oder Gewissensgründen keinen Militärdienst leisten kann, wird von der Dienstpflicht befreit. Zudem werden aufgrund des tiefen Bedarfes nicht alle Männer eines Jahrgangs tatsächlich eingezogen, weshalb faktisch nur diejenigen in der FDS dienen, die es tatsächlich wünschen. Ebenso besteht für einheimische Wehrpflichtige die Möglichkeit, in den Archipelischen Streitkräften zu dienen, wenn sie mit einer Versetzung nach Livornien einverstanden sind. Seit dem de Masse Aufstand im 18. Jahrhundert besteht eine Vorschrift, wonach in den auf St. Etienne stationierten Teilen der Archipelischen Streitkräfte keine Einheimischen dienen dürfen, denen nur der Dienst in der Miliz erlaubt ist. Durch die Ausstellung eines Reisepasses kann diese Vorschrift heutzutage leicht umgangen werden.

 

 

Küche

 

Die Küche St. Etiennes ist von regionalen und livornischen Einflüssen geprägt. Dominierend sind Fisch und Krustentiere, die im Ganzen oder als Eintopf auf den Tisch kommen. Getreide wird ausschliesslich importiert. Die von livornischen Seefahrern mitgebrachten Tiere, allen voran Schwein und Huhn, sind neben Meerestieren ebenfalls beliebt. Der Tourismus hat seit den 1980er Jahren zu einem Rückgang der einheimischen Küche zugunsten internationaler Standarts geführt. In früheren Zeiten war gegrillter Wal eine weit verbreitete Speise, die heute aufgrund der strengen gesetzlichen Fangquoten kaum mehr zu finden ist. Der Verkauf von Schildkrötenfleisch ist gesetzlich untersagt, wobei unter dem Tisch immer noch größere Mengen umgeschlagen werden. Verschiedene Sorten von Bananen werden in süssen Gerichten als Obst und in salzigen Gerichten als Gemüse verwendet. Nationalgericht der Insel ist Fischsuppe mit Weißbrot.

 

 

Sport

 

Die beliebtesten Sportarten der Insel sind Segeln und Rudern. Beinahe jeder Bewohner weiss ein Schiff oder Boot zu steuern und wird von Kindesbeinen an in die nautische Tradition der Kolonie eingewiesen. Keine livornische Segelregatta startet ohne Teilnehmer aus St. Etienne. Die Livornier brachten schon früh den Fußball nach St. Etienne, der sich von Anfang an großer Beliebtheit erfreute. Versuche, eine eigene Liga zu errichten scheiterten nach anfänglichen Versuchen 1960 und 1971. Die Vereine St. Etiennes spielen heute in den Livornischen Turnieren mit und gehören gemeinsam mit Mannschaften aus Garùpano und Transmartinien der Übersee-Regionalliga an. Das Stade de la Liberté in Port au Prince ist die Heimat des Fußballvereins Olympique St. Etienne. In der überseeischen Regionalliga gefürchtet, ist die Mannschaft von Trainer Jean Béricourt auf der nationalen Bühne doch ein Leichtgewicht. Im Livornischen Pokal hat Olympique 2015 immerhin die Zweite Runde erreicht, musste sich aber am 6. Oktober 2015 gegen den deutlich stärkeren Turnverein Valent mit 0:4 geschlagen geben. Die aus Amateuren bestehende Equipe de St. Etienne ist die Fußballnationalmannschaft des Überseegebietes, die jedoch weder Mitglied des Livornischen Fußballverbundes, noch der des Soccer WorldCup Organisation Board ist und daher in internationalen Turnieren nicht startberechtigt ist. Die Equipe spielte bisher nur im Rahmen von Freundschaftsspielen gegen andere regionale Mannschaften. Einheimische St. Etiennes dürfen jedoch in der Livornischen Nationalmannschaft spielen, was zuletzt 1990 - 1997 mit Ahomana Castily-Pruit der Fall war. Sehr beliebt ist auch Polo, dessen führender Verein, der Club de Polo Port au Prince, 1899 gegründet wurde. Der Verein organisiert in dreijährigem Intervall den Cup de Port au Prince, in dem der Meister von St. Etienne im Polo ermittelt wird. Beliebter als im Mutterland ist auf der Insel Rugby, das von den beiden Clubs Rugby Board Port au Prince (RBP) und Avance St. Etienne (ASE) mit Eifer betrieben wird.